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Eine der ersten und bis heute wichtigsten zivilen
Anwendungen der Radartechnik ist die Überwachung und Lenkung
des Luftverkehrs (Air Traffic Control, ATC). Mittel- und Weitbereichsradare
decken dabei jeweils Sektoren von einigen hundert Kilometer
Durchmesser ab. Im unmittelbaren Flughafenbereich werden Radare
mit geringeren Reichweiten für die tageslicht- und wetterunabhängige
Anflugkontrolle (Ground Controlled Approach, GCA) eingesetzt.
Ein früher Vertreter eines
ATC-Radars ist die Mittelbereichs-Rundsicht-Radaranlage GRS (Ground Radar
System). Sie entstand nach vorausgegangenen Lizenzfertigungen als erste
Eigenentwicklung eines Großradars zwischen 1955 und 1957 bei TELEFUNKEN und kam
in mehreren europäischen Ländern zum Einsatz. Besondere Erwähnung verdient die gewaltige
Antenne mit einem Reflektor von 7 m x 14.5 m und einem Gesamtgewicht von ca. 30
t. GRS arbeitete im L-Band (1250 bis 1350 MHz) mit einer Reichweite von 220 km und einer
Zielerfassungshöhe von bis zu 16000 m.

Mittelbereichs-Rundsicht Radaranlagen GRS und SRE-M
Die Anlage SRE-M (Surveillance Radar Equipment-Medium
Range) folgte GRS nach und ist seit 1976 bis heute in Betrieb. Sie
verfügt über einen kohärenten Klystron-Sender mit einer Impulsausgangsleistung
von 2.5 MW. Die Reichweite gegen ein Ziel mit 8 m² Rückstrahlquerschnitt
beträgt ca. 550 km.
Das weltgrößte radarüberwachte
Schiffsverkehrssicherungssystem wird an den Mündungen von Elbe, Weser und Jade
unter dem Namen SEATRACK 7000 betrieben. Kernelement ist eine
Radarkette, die im Frequenzbereich 8.8 bis 9.2 GHz arbeitet und eine variable
instrumentierte Reichweite von 12 bis 48 km ermöglicht. Bis zu 200 feste oder
bewegte Ziele können pro Sekunde detektiert und lokalisiert werden.

Verkehrszentrale und Lotsenarbeitsplätze von SEATRACK 7000
Bordradar
Bordradare für Jagdflugzeuge sind seit jeher eine der größten
technischen Herausforderungen für Radaringenieure. Die militärischen Betreiber
verlangen eine Vielzahl von Systemeigenschaften, die oft nur schwer in Einklang
zu bringen sind, wie höchste Leistungsfähigkeit, geringes Gewicht und Volumen,
limitierte Leistungsaufnahme aus dem Flugzeugbordnetz, größtmögliche Zuverlässigkeit,
Redundanz der wesentlichen Funktionen.
Die ersten Bordradare der Nachkriegszeit gehörten zur
Generation der "analogen" Radare. Ein charakteristischer Vertreter
dieser Gattung ist das NASARR (North American Search and Ranging
Radar), das im F-104 Starfighter zum Einsatz kam. Dieses
Navigations- und Feuerleitradar wurde in den Jahren 1961 bis 1966 von einem
europäischen Firmenkonsortium in Lizenz der US-Firma Autonetics gebaut.

Feuerleitgerät NASARR im F-104 Starfighter
Die weitere Entwicklung führte vom analogen zum digitalen Multifunktionsradar.
Nahezu alle Funktionen dieser Geräte werden von einem Kontrollcomputer per
Software gesteuert. Das „Tornado Nose Radar“ ist ein markantes Beispiel
dieser Entwicklungsstufe. Sein Radarprozessor steuert mehrere Betriebsmoden wie
Luft-Luft- und Luft-Boden-Angriff, Geländeabbildung oder Geländeverfolgung im
Tiefflug.

Tornado Nose Radar und MRCA Tornado
Den derzeitigen Stand der Technik repräsentiert in
eindrucksvoller Weise Captor, das Bordradar des Eurofighter. Vier
Nationen haben dieses Radar gemeinsam entwickelt und produzieren es:
Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien. Das Radar Captor ebenso
wie das Flugzeug Eurofighter sind aktuelle Beispiele für den internationalen
Charakter heutiger Hochtechnologie.
Captor arbeitet im für moderne Bordradare üblichen Frequenzbereich um 10 GHz
und verfügt über eine planare Hohlleiter-Schlitzantenne, die in Azimut und
Elevation geschwenkt wird. Der Sender ist mit einer Wanderfeldröhre
ausgestattet, Signal- und Datenprozessor arbeiten voll digital und ermöglichen
den Einsatz von mehr als 30 Betriebsmoden.

Multifunktionsradar Captor für den Eurofighter
Insbesondere bezüglich der Antenneneigenschaften hat Captor
einen Leistungshöchststand erreicht. Er ist mit dieser Technologie nicht
mehr zu verbessern. Trotzdem verbleibt ein systembedingter Schwachpunkt: die
aufgrund der mechanischen Bewegung gegebene eingeschränkte räumliche Agilität
der Antennenblickrichtung. Aus diesem Grund gehört die Zunkunft der Bordradare
sicher dem Radar mit elektronisch geschwenkter Antenne.
Schiffsradar
Auch im Bereich des Schiffsradars entstanden die
ersten Nachkriegsentwicklungen auf des Basis von Lizenzverträgen. Eine der
ersten modernen Schiffsradaranlagen, die schließlich zur Standardausrüstung der
Bundesmarine wurde, war TRS-N.

Schiffsradaranlage TRS-N
TRS-N wurde in den fünfziger und sechziger Jahren von TELEFUNKEN entwickelt
und in 69 Exemplaren ausgeliefert. Es handelte sich um eine Zweiband-Anlage,
deren Betriebsfrequenz wahlweise von 5.5 auf 9.3 GHz umgeschaltet werden
konnte. Für beide Frequenzen wurde derselbe Antennenreflektor, ein Zylinderparabol,
verwendet. TRS-N wurde hauptsächlich auf kleinen Einheiten der Marine,
z.B. auf Minenräumbooten, eingesetzt.
Früher noch als an Bord von Flugzeugen faßte bei Boden- und
Schiffsradaren die schon erwähnte neue Technik Fuß: Radare mit elektronischer
Strahlschwenkung durch phasengesteuerte Antennen.
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