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Mitte der dreißiger Jahre sah sich Großbritannien
einer zunehmenden Bedrohung durch die deutsche Wiederaufrüstung
ausgesetzt. Dies veranlasste den Leiter des National Physical
Laboratory, Sir Robert Watson-Watt, im Februar 1935 eine
inzwischen historische Denkschrift zu verfassen und dem
Parlament vorzulegen. Sie trägt den Titel „Detection and
Location of Aircraft by Radio Methods“. Dies war die Geburtsstunde
der britischen Radarentwicklung, deren Ziel zunächst der
Aufbau eines Frühwarnsystems zur Luftverteidigung war.
Bereits im März 1936 ging die erste Station
der später Chain Home benannten Radarkette in Bawdsey
Manor an der Themsemündung in Betrieb. Ab dem Frühjahr 1939
kontrollierten 20 Stationen mit jeweils 80 m hohen Antennentürmen
lückenlos die gesamte englische Süd- und Ostküste. Die Chain
Home arbeitete im Frequenzbereich von 22 bis 30 MHz
mit Leistungen von 200 kW pro Station; damit ergaben sich
Reichweiten von bis zu 200 km gegen Luftziele. Wenig später
folgte als Ergänzung die Chain Home Low bei 200
MHz, um insbesondere tieffliegende Objekte mit einer höheren
Ortungsgenauigkeit zu entdecken.

Sendetürme der Chain Home
Das erste operationelle Bordradar wurde im Herbst
1940 in ein britisches Jagdflugzeug eingebaut. Im April
1941 waren bereits 110 Flugzeuge mit Radargeräten ausgestattet.
Sie arbeiteten im Frequenzbereich um 200 MHz.
Ein Meilenstein auf dem Weg zu höheren Frequenzen
war die Erfindung des Magnetrons durch F. Randall und A.
H. Boot von der Universität Birmingham im Februar 1940.
Es stellte das Kernelement aller späteren Radargeräte im
Mikrowellenbereich dar, die zunächst bei Frequenzen um
3 GHz arbeiteten. Nachdem sowohl in Großbritannien als auch
in den USA das Potential der Magnetron-Technik in vollem
Umfang erkannt worden war, wurde deren gemeinsame Weiterentwicklung
am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston
beschlossen.

Magnetron von Randall und Boot im Jahr 1940
Eine sehr wirkungsvolle Methode, Radar zu stören,
wurde erstmals von britischen Bombern während ihres Angriffs
auf Hamburg im Juli 1943 eingesetzt. Sie bestand im Abwurf
von großen Mengen schmaler Stanniolstreifen mit der Bezeichnung
Window (deutsches Synonym: Düppel). Sie waren
in ihren Abmessungen auf die halbe Wellenlänge der deutschen
Luftabwehr-Radare ausgelegt und wirkten so als langsam herabsinkende
Wolken von Dipolen, deren Echos die anfliegenden Verbände
im Radar nicht mehr erkennbar machten.

Produktion von Window und Lancaster-Bomber
beim Abwurf über Deutschland im Juli 1943
Als Gegen-Gegenmaßnahme machten sich deutsche
Ingenieure daran, das zu entwickeln, was heute mit "Moving
Target Indication" (MTI) bezeichnet wird. Ziel war
die Unterdrückung der unerwünschten quasistationären Echos
der Düppel-Wolken, um die sich bewegenden Luftziele
wieder sichtbar werden zu lassen. Eine große Zahl von Würzburg-Geräten
wurden daraufhin mit dieser Technik nachgerüstet.
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