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Die Entwicklung der deutschen Funkmeßtechnik in den Jahren
vor und insbesondere während des Zweiten Weltkrieges war in
vielerlei Hinsicht von äußeren und nichttechnischen Einflüssen
geprägt. Die politische Führung jener Epoche zeigte nur sehr
begrenztes Interesse für die Möglichkeiten, die Radar bot.
In Anbetracht der ungünstigen Randbedingungen, unter
denen die deutschen Ingenieure gezwungen waren zu arbeiten,
müssen ihre fundamentalen und weitsichtigen Errungenschaften
umso mehr gewürdigt werden. Im folgenden sollen einige repräsentative
Schrittmacher der Radartechnik vorgestellt werden.
Freya entstand als Ergebnis der Arbeiten der GEMA auf dem
Gebiet des Pulsradars und wurde erstmals 1938 von der Marine
zur Küstenüberwachung eingesetzt. Das Gerät arbeitete auf
einer Frequenz von 125 MHz und verfügte über eine Ausgangsleistung
von 8 kW. Nach der anfangs angewandten, relativ ungenauen
Maximumpeilung wurde ab 1940 das sog. Minimumpeilverfahren
eingeführt, das mit zwei schielenden Antennendiagrammen arbeitete,
deren Schnittpunkt eine scharfe Nullstelle aufwies. Die
Winkelpeilgenauigkeit erreichte damit einen Wert von ± 0.8°.

Erstes Freya-Gerät
auf Wangerooge und die erste Serienausführung
Seine Feuerprobe bestand das Freya-Gerät am 18.
Dezember 1939 auf der Nordseeinsel Wangerooge, als mit seiner Hilfe ein britischer
Bomberverband auf eine Entfernung von 130 km im Anflug auf die Deutsche Bucht
entdeckt wurde. Der darauf folgende Einsatz deutscher Abfangjäger kann wohl als
die erste durch Radar unterstützte Aktion der Luftwaffe gelten.
Kaum jemand denkt heute daran, daß die Wurzeln
moderner phasengesteuerter Radare in eine Zeit vor mehr als
60 Jahren zurückreichen. Die Fernsuchanlage Mammut 1 war
ein Frühwarngerät mit einer Antenne von beeindruckendem Ausmaß.
Sie bestand aus acht Freya-Antennen und spannte eine
Fläche von 10 m x 25 m auf. Die Strahlrichtung konnte mittels
sog. Wellenschieber im Azimut elektronisch um ±_50°
geschwenkt werden. Mammut 1 war in der Lage, von der
deutschen Nordseeküste aus den Luftraum von der Kanalküste
bis zu den britischen Midlands zu überwachen.

Fernsuchanlage Mammut 1 und Phasenschieber zur elektronischen Strahlschwenkung
Im März 1939 stellte TELEFUNKEN das Flakzielgerät
Würzburg mit seiner charakteristischen Parabol-Reflektorantenne
vor. Sie hatte einen Durchmesser von 3 m, das Gerät arbeitete
bei einer Frequenz von 565 MHz und erreichte mit 8 kW Pulsleistung
eine instrumentierte Reichweite von 40 km. Würzburg C verfügte
als Verbesserung gegenüber der Version A über
eine Antenne mit einem exzentrisch rotierenden Speisedipol
anstelle eines feststehenden, sodaß das Antennendiagramm auf
einem Kegelmantel umlief und eine Minimumpeilung in zwei Ebenen
möglich war. Seine Meßgenauigkeit erreichte mit maximalen
Fehlerwerten von ± 25 m bis ± 40 m für die Entfernung und
von ± 0.5° für den Azimut- und Elevationswinkel eine beachtliche
Präzision. Bis zum Kriegsende wurden 4000 Würzburg-Geräte
gebaut.

Würzburg A und Würzburg-Riese
Zur Unterstützung der Jägerführung durch Freya wurde
das Gerät Würzburg-Riese als Zielverfolgungsradar eingeführt. Es besaß
einen Parabolspeigel von 7.4 m Durchmesser und eine dadurch vergrößerte
Reichweite von bis zu 70 km.
Ein weiterer Meilenstein deutscher Radartechnik war die Leitstrahlanlage
Knickebein, eines der ersten Überhorizont-Versuchsgeräte.
Im Jahr 1941 wurde es von TELEFUNKEN in Betrieb genommen.
Die Betriebsfrequenz lag bei 30 MHz, also am oberen Ende des
Kurzwellenbereichs. Durch Nutzung der Reflexion der abgestrahlten
und empfangenen Signale an leitenden Ionosphärenschichten
und an der Erdoberfläche wurden Reichweiten
von mehreren tausend Kilometern erreicht.

Leitstrahlanlage Knickebein
Einer der wichtigsten Vertreter im Bereich der
Bordradare war das ebenfalls von TELEFUNKEN entwickelte Gerät
Lichtenstein BC für Nachtjäger. Es war im Herbst 1941
einsatzbereit, arbeitete bei einer Frequenz von 490 MHz und
verfügte über eine Ausgangsleistung von 1.5 kW. Seine Antenne
bestand aus vier Quadranten zu jeweils vier Dipolen und Reflektoren.
Die Quadranten konnten über einen mechanisch rotierenden
kapazitiven Schalter einer kreisförmigen Phasenleitung gespeist
werden, wodurch ein konisch rotierender Strahl entstand. Die
Zielverfolgung war damit durch eine zweidimensionale Minimumpeilung
möglich. Auf eine Reichweite von 4 km konnte eine Entfernungsmeßgenauigkeit
von ± 100 m mit einem maximalen Winkelfehler von ± 2.5°
erzielt werden.

FuG 202 Lichtenstein BC installiert
in einer Ju 88
Spätere Ausführungen mit der Bezeichnung Lichtenstein
SN2 wurden bei vergleichsweise tiefen Frequenzen unter 100 MHz eingesetzt
um deren Reichweite zu erhöhen. Mehr als 2000 Geräte wurden gebaut.
Parallel zu den Aktivitäten bei TELEFUNKEN entwickelten
SIEMENS und das FFO die Neptun-Gerätefamilie, vorgesehen für kleinere
Flugzeuge. Als eine von mehreren Varianten wurde das Gerät FuG 218 V2 in
einer Stückzahl von über 150 Exemplaren gebaut. Sein Frequenzbereich lag
zwischen 162 und 187 MHz, die Sendeleistung bei 2 kW. Wie bei Lichtenstein
kam als Antenne eine Dipol/Reflektor-Gruppe zum Einsatz.

FuG 218
V2 Neptun in
einer Me 262
Das erste deutsche Bordradar mit den wesentlichen
Merkmalen späterer Nachkriegsgeräte wurde im Jahr 1943
bei TELEFUNKEN fertiggestellt und trug die Bezeichnung Berlin
N1A. Es arbeitete bei einer Frequenz von 3.3 GHz und verfügte
über eine Parabol-Reflektorantenne von 70 cm Durchmesser und
rotierendem Speisedipol. Das komplette Radar wurde von einem
hölzernen Radom abgedeckt. Die von einem Magnetron-Sender
erzeugte Ausgangsleistung von 15 kW ermöglichte eine Reichweite
von 9 km gegen Luftziele. Insgesamt wurden 25 Berlin-Geräte
gebaut.

Bordradar Berlin N1A
Der Anwendung von Radar auf Schiffen kam zumindest zu
Beginn des Krieges wesentlich geringere Bedeutung zu als der für Boden- oder
Bordradare in Flugzeugen. Erst die positiven Erfahrungen, die die Marine im
Kampfeinsatz mit Versuchsgeräten an Bord von Schiffen sammelte, öffnete deren
Akzeptanz für die neue Technik. Viele taktische Regeln schienen nun ihre
Bedeutung zu verlieren: es existierte kein Unterschied mehr zwischen Tag und
Nacht, schlechte Sicht infolge von Regen oder Nebel war kein Hindernis mehr.
Die ersten Seetakt-Geräte (von: seetaktisch)
waren unmittelbare Ergebnisse der Entwicklungen der GEMA
im Jahr 1935. Als erstes Schiff wurde das Panzerschiff Admiral
Graf Spee 1938 mit einem FuMG 38 G ausgerüstet.
Das Gerät verfügte über eine Ausgangsleistung von 1 kW
bei einer Frequenz um 500 MHz. Infolge der exponierten
Montage an der Mastspitze konnten Schiffsziele auf 25 km Entfernung
geortet werden. Der maximale Winkelpeilfehler lag im Bereich
von ± 5°.

FuMG 38 G (von einem
Segeltuch abgedeckt) montiert am Mast der Admiral
Graf Spee
In den Jahren nach 1939 wurden Seetakt-Geräte auf
einer großen Zahl deutscher Schiffe installiert. Auch als Bodenradare wurden sie
ab 1942 entlang der deutschen Küsten und in den besetzten Gebieten eingesetzt.
Darüber hinaus wurden Würzburg und Lichtenstein-Geräte
von der Marine für die Verwendung an Bord von Schiffen wie auch an Land
modifiziert. Selbst U-Boote wurden mit Radar ausgerüstet, allerdings unter
großen Schwierigkeiten, verursacht durch erhebliche Platzbeschränkungen und
widrige Umweltbedingungen beim Betrieb.
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