| Während des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts stand die
drahtlose Kommunikation im Mittelpunkt der Anwendungen elektromagnetischer
Wellen. Hülsmeyers Erfindung war in Vergessenheit geraten. Der
Italiener Guglielmo Marconi fügte eine Funkenstrecke und eine
Antenne zusammen und sendete bereits 1886 telegraphische Signale
über mehrere Kilometer. Seine Versuche erreichten einen ersten
Höhepunkt, als er im Jahr 1901 den Nordatlantik über eine Entfernung
von 3600 km von England nach Neufundland auf drahtlosem Wege
überbrückte. Im Zuge der fortschreitenden Entwicklung der Elektrotechnik
baute Marconi nach und nach ein kommerzielles Netz von Funkstationen
auf. 1922 kam auch er, mit großer Wahrscheinlichkeit ohne Kenntnis
der Arbeiten Hülsmeyers, auf die Idee, metallische Objekte mittels
Reflexion elektromagnetischer Wellen zu orten. Aber auch seine
Initiative fand keine Resonanz in der damaligen wissenschaftlichen
Gesellschaft.
Lediglich zwei amerikanische Physiker, A. H. Taylor und L.
C. Young vom US Naval Research Laboratory (NRL), führten seine Gedanken weiter.
Sie experimentierten mit Frequenzen um 60 MHz und beobachteten starke
Interferenzen in ihrem Empfänger, sobald ihre Sendeantenne auf bewegte Objekte
gerichtet war. Sie schlossen daraus, daß die Veränderungen der empfangenen
Feldstärke durch Interferenzen der abgestrahlten und der an einem Ziel
reflektierten Wellen verursacht sein müßten.
Drei Jahre später, 1925, vermaßen die Amerikaner Breit und
Tuve erstmalig die Höhen verschiedener Lagen der Ionosphäre mit breitbandigen
Impulsen im Frequenzbereich 3 bis 30 MHz. Sie können als die Erfinder der
Impulstechnik gelten.
Die Wiederentdeckung des Radarprinzips
In den frühen dreißiger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts schließlich erkannte man in mehreren Ländern
Europas und in Übersee die Bedeutung des Radarprinzips in
vollem Umfang, wohl nicht zuletzt als Folge des ihm innewohnenden
militärischen Potentials. Von dieser Zeit an wird es sehr
schwierig, den weiteren Weg der Radarentwicklung geschlossen
und auf einem Pfad nachzuzeichnen. Erfolgten die Arbeiten
in verschiedenen Ländern zunächst noch unabhängig voneinander,
so entbrannte während des Zweiten Weltkrieges ein wahres Rennen
von Aktionen und Reaktionen einer stetig fortschreitenden
Leistungssteigerung der eigenen und der gegnerischen Radartechnik.
Um den Rahmen dieser Abhandlung überschaubar zu halten,
soll im folgenden der Blick auf wesentliche Entwicklungen in Deutschland, in
Großbritannien und in den USA gerichtet sein. Im Sinne historischer Korrektheit
muß aber erwähnt werden, daß zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im September
1939 operationelle Radarsysteme auch in Frankreich, der Sowjetunion, Japan,
Italien und in den Niederlanden zur Verfügung standen.
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