| Weitaus die meisten Radarsysteme
arbeiten im Mikrowellenbereich zwischen etwa 2 und 20 GHz.
Für besondere Anwendungen werden jedoch sehr viel tiefere
wie auch höhere Frequenzen eingesetzt. Überhorizontradare
beispielsweise nutzen die spezifischen Eigenschaften von Kurzwellen,
also von Frequenzen zwischen 3 und 30!MHz.
Aus der HF-Kommunikation ist seit langem bekannt, daß sich
Kurzwellen weit über den "Radiohorizont" hinaus
ausbreiten können, indem sie teilweise mehrfach an leitenden
Schichten der Ionosphäre und an der Erdoberfläche reflektiert
werden.
Das amerikanische Überhorizontradar AN/FPS-118
OTH-B (Over-the-Horizon Backscatter) wurde in einer
ersten Ausbaustufe im Oktober 1970 in Moscow/Maine in Dienst
gestellt und ist einer der modernsten Vertreter dieser Technik.
Die Anlage arbeitet als bistatisches FM/CW (Frequency Modulated
Continuous Wave) -Dopplerradar im Frequenzbereich 5 bis
28 MHz. Die Sendeantenne hat eine Länge von mehr als 1200
m und 10 bis 45 m Höhe. Sie wird von 12 Sendern mit einer
maximalen Dauerstrichleistung von 1 MW gespeist. Die Empfangsstation
liegt in rund 150 km Entfernung in Columbia Falls/Maine. Innerhalb
der Auffaßreichweite von AN/FPS-118, die sich von 500
bis 1800 nautischen Meilen erstreckt, werden selbst kleine
Flugzeuge oder Marschflugkörper sicher detektiert.

Antennengruppe von AN/FPS-118 OTH-B
Das hochfrequente Ende des Radarspektrums um 100
GHz fand ab etwa 1970 das Interesse militärischer Nutzer.
Als Folge der kurzen Wellenlängen um 3 mm ist es hier möglich,
äußerst kompakte Geräte aufzubauen und mit kleinen Antennenaperturen
relativ hohe Reichweiten zu erzielen. Zu den wichtigsten Anwendungen
im sog. W-Band (75 bis 110 GHz) gehören Radarsuchköpfe für
autonom gelenkte Flugkörper und endphasengelenkte Munition.
Im Standardkaliber von 155 mm für Artilleriemunition wurde
z. B. der Prototyp eines Radarfrontends mit einer Betriebsfrequenz
von 94 GHz realisiert, das nicht mehr als 100 mm Durchmesser
hat.

Flugprofil einer endphasengelenkten Munition und 94 GHz-Suchkopf
Parallel zu den militärischen Entwicklungen machte
man sich Gedanken über zivile Anwendungen der Millimeterwellentechnik.
Das Problem einer allwetterfähigen Hinderniswarnung für Kraftfahrzeuge
schien sich durch den Einsatz miniaturisierter Radarsensoren
mit hoher Entfernungsauflösung lösen zu lassen. Die dafür
notwendigen kurzen Pulse bzw. großen Frequenzhübe bei FM/CW-Radaren
bedingen entsprechend große Bandbreiten. Diese lassen sich
bei sehr hohen Frequenzen einfacher realisieren als im klassischen
Mikrowellenbereich.
Zunächst waren in Deutschland die Firmen AEG-TELEFUNKEN,
SEL und VDO auf dem neuen Gebiet automobiler Abstandswarnradare
aktiv. Bei AEG-TELEFUNKEN entstand Mitte der siebziger Jahre
zunächst ein Versuchsgerät bei 35 GHz, später wechselte man
in den inzwischen für Kfz-Anwendungen (Adaptive Cruise
Control, ACC) international eingeführten Frequenzbereich
um 77 GHz. Als Modulationsart hat sich FM/CW durchgesetzt,
die Sendeleistungen liegen um 10 mW und die Auswertereichweiten
zwischen 2 und 150 m.

Testfahrt mit einem 35 GHz-Abstandswarnradar und späterer
Prototyp bei 77 GHz
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß ACC-Systeme
sicherlich die Klasse von Millimeterwellenradaren ist, die
erstmals in sehr großen Stückzahlen gebaut wird. Als einer
der ersten Kraftfahrzeughersteller stellte Mercedes-Benz sein
System Distronic im Jahr 1999 für die S- und E-Klasse
vor.

Anzeige der Distronic aus der Sicht des Fahrers und
der Radarsensor mit Auswerteeinheit
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