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Einen Quantensprung ihrer Leistungsfähigkeit erfährt die
neue Generation von Radaren durch den Einsatz von Antennen mit elektronischer
Strahlschwenkung. Solche "Phased Array"-Radare für Kampfflugzeuge
werden heute weltweit entwickelt und bald zur Serienausstattung moderner Jets
gehören. Im Boden- und Schiffsbereich, wo in der Regel weniger strenge
Einschränkungen bezüglich Gewicht, Volumen, Leistungsaufnahme und Kühlmöglichkeiten
herrschen, gehören phasengesteuerte Radare schon seit Jahren zum Standard.
Diese Radare verfügen über Antennenaperturen mit hunderten
oder gar tausenden einzelner Strahlerelemente anstelle einer Reflektorantenne
mit nur einem Speisestrahler oder einer phasenstarren Hohlleiterschlitzantenne.
Die den Strahlerelementen zugeführte Leistung kann von diesen individuell in
Betrag und Phase beeinflußt werden, wodurch die Gesamtantenne Wellenfronten
nahezu beliebiger Gestalt erzeugen kann. Aufgrund ihrer reziproken Natur
verfügt die Antenne über diese Eigenschaft im Sende- wie im Empfangsfall. Im
praktischen Betrieb kann das Diagramm auf diese Weise um etwa ± 60° geschwenkt
werden; für größere Winkel sinkt der Wirkungsgrad der Antenne. Im Vergleich zu
einer herkömmlichen, mechanisch bewegten Antenne kann ein "Phased
Array" sein Diagramm nahezu verzugsfrei im Raum schwenken.
Radare mit elektronischer Strahlschwenkung gliedern
sich grundsätzlich in zwei Gruppen. Bei der ersten wird die
Sendeleistung an zentraler Stelle erzeugt und von einem Verteilnetzwerk,
das mit planaren Leistungsteilern oder in Hohlleitertechnik
ausgeführt ist, den Strahlerelementen zugeführt. Im zweiten,
fortschrittlicheren Fall des sog. "Active Phased Array"
verfügt dieses statt über passive Strahlerelemente über aktive
Sende-/Empfangsmodule. Jedes dieser Module stellt einen hochminiaturisierten
Sender und Empfänger dar, bei dem Sende- und Empfangsweg in
Amplitude und Phase gesteuert werden können. Ein so ausgestattetes
System wird als AESA (Active Electronically Steered Array)
- Radar bezeichnet. Gegenüber einem "passiven" Array
bietet ein AESA-Radar zunächst eine sehr viel höhere Zuverlässigkeit,
da seine Betriebsbereitschaft nicht mehr von einer einzigen
Leistungsquelle, z.B. einer Wanderfeldröhre, abhängt. Dies
führt zu einem Charakteristikum, für das keine deutsche Übersetzung
üblich ist, der „Graceful Degradation“. Es bezeichnet die
Tatsache, daß von der Gesamtzahl der Sende-/Empfangsmodule
einer solchen Antenne etwa 5 bis 10 % ausfallen können, ohne
daß eine merkbare Beeinträchtigung der Gesamtleistung
der Antenne auftritt.
Eines der ersten Radarsysteme mit elektronischer Strahlschwenkung,
das zudem auch einer der imposantesten Vertreter der Gattung ist, ist AN/FPS-108
Cobra Dane, ein hochauflösendes Weitbereichs-Bodenradar, das bereits 1977
auf Shemya Island/Alaska in Betrieb genommen wurde. Seine Aufgabe ist die
Luftraumüberwachung über der Halbinsel Kamtschatka. Cobra Dane wurde
von der Raytheon Company entwickelt, arbeitet im L-Band (1215 bis 1400 MHz) und
verfügt über eine Apertur von 29 m Durchmesser. 15360 Sende/Empfangsmodule sind
darauf untergebracht und strahlen eine Spitzenleistung von 15.4 MW ab. Dies
erlaubt die Überwachung von Zielen mit einer Entfernungsauflösung von 1 m in
einem 120° breiten Sektor bis zu Entfernungen von rund 1000 nautischen Meilen.

Cobra Dane und ein Teil des Arrays
Ein typisches Beispiel eines der ersten mobilen Luftraumüberwachungs-Radare
ist TRMS-3D (Telefunken Radar Mobil Such), das
in den Jahren 1971 bis 1979 von TELEFUNKEN entwickelt wurde.
Es handelt sich um ein passives "Phased Array" mit
4000 Strahlerelementen. Das im C-Band (4 bis 8 GHz) arbeitende
System verfügt damit über eine Antenne, die in Elevation elektronisch
und im Azimut mechanisch geschwenkt werden kann. TRMS-3D
überwacht gleichzeitig bis zu 4000 Ziele in einer Entfernung
von maximal 200 km und in einem Höhenerfassungsbereich
von bis zu 10000 m.

Mobiles Luftraumüberwachungs-Radar TRMS-3D und Ausschnitt aus dem Array
Weitgehend auf der Basis von TRMS entstand in den achtziger
Jahren eine neue Generation von 3D-Schiffsradaren zur See-
und Luftraumüberwachung. Sie eröffnete in diesem Aufgabenbereich
eine weit höhere Leistungsfähigkeit als bisherige Systeme
mit Parabol-Reflektorantennen. TELEFUNKEN SYSTEMTECHNIK lieferte
im Jahr 1992 die erste Anlage mit der Bezeichnung TRS-3D/16
an die dänische Marine zur Ausstattung ihrer neuen Schiffsklasse
SF-300 aus.

TRS-3D/16auf einem Schiff SF-300
Ein bedeutendes luftgestütztes
Weitbereichs-Überwachungsradar ist das von Westinghouse entwickelte AN/APY-2
für AWACS (Airborne Warning & Control System). Seine Antenne,
ein passives "Phased Array" für die Diagrammsteuerung in Elevation,
rotiert zusammen mit dem sog. Rotodome mit 6 U/min auf dem Rumpf einer Boeing
E-3A Sentry, der militärischen Version der legendären B 707. Sie
besteht aus 28 übereinander liegenden Zeilen von Hohlleiter-Schlitzstrahlern,
denen jeweils ein Phasenschieber zugeordnet ist, und mißt 8 m x 1.6 m. AN/APY-2
arbeitet im S-Band (2 bis 4 GHz) und kann aus 10000 m Flughöhe
tieffliegende Ziele bis zu einer Entfernung von 370 km verfolgen. Das erste AWACS-System
wurde im März 1977 in Dienst gestellt.

E-3A Sentry / AWACS und die Antenne des AN/APY-2 Radars
Der Einsatz mit den höchsten Anforderungen an ein aktives
"Phased Array"-Radar ist ohne Zweifel der an Bord eines
Kampfflugzeuges. Mit dem Ziel, die potentielle Leistungsfähigkeit eines solchen
Systems nachzuweisen, entstand in der Zusammenarbeit dreier Nationen der
Demonstrator AMSAR (Airborne Multi-Role Solid State Active Array
Radar). Er ist eine gemeinsame Entwicklung der Firmen EADS (Deutschland),
BAES (Großbritannien) und Thales (Frankreich). Das aktive Array arbeitet im
X-Band (um 10 GHz) und besteht aus 1000 Sende-/Empfangsmodulen, die auf einer
Fläche von 60 cm Durchmesser untergebracht sind. Die Module sind in GaAs-MMIC
(Monolithic Microwave Integrated Circuit) -Technologie realisiert. AMSAR verfügt
neben den schon genannten Merkmalen eines AESA-Radars über zusätzliche Eigenschaften,
wie adaptives Leistungsmanagement oder die Möglichkeit, in Richtung erkannter
Störer Nullstellen des Antennendiagramms zu erzeugen und diese damit auszublenden
(Adaptive Beam Forming).

Radardemonstrator AMSAR und Sende/Empfangsmodul
An Bord von Schiffen werden heute AESA-Radare installiert, die den
Status der Serienreife erreicht haben. Die deutsche Bundesmarine
rüstet ihre Fregatten F 124 mit dem Multifunktionsradar
APAR (Active Phased Array Radar) aus, das zentraler
Teil eines komplexen Verteidigungssystems zur Bekämpfung von
See- und Luftzielen ist. APAR ist eine trinationale
Entwicklung der Firmen EADS (Deutschland), Thales-NL (Niederlande)
und Nortel (Kanada). Es besteht aus vier aktiven Antennen
mit jeweils 3200 Sende/Empfangsmodulen, die im X-Band arbeiten
und den gesamten Azimutsektor von 360° abdecken. Als Multifunktionsradar
erfüllt APAR unterschiedlichste Aufgaben, wie Zielsuche
und -erfassung, Ermittlung von Zielkursen, Durchführung
von Bedrohungsrechnungen, Zielbeleuchtung und Führung von
Abwehrraketen. Das erste System wurde im Jahr 2000 auf der
Fregatte F 124 "Sachsen" installiert.
Fregatte F 124 "Sachsen" und APAR
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